Thread: Justus Wertmüller über die radikale Linke

Results 1 to 5 of 5

  1. #1
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    Default Justus Wertmüller über die radikale Linke

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    Ist zwar schon etwas älter, aber wollen wir trotzdem drüber diskutieren?
  2. #2
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    Wenn man also die Parole "Gegen Reichtum" taggt, bei der es offensichtlich ist, was damit gemeint ist, ist man also nicht mehr von einem Faschisten zu unterscheiden, soso. Den Islam als rückständige Kultur zu verteufeln und bedingungslose Solidarität mit einem Staat, zionistisch hin oder her, zu fordern, ist natürlich wesentlich vorbildlicher. Und wahrscheinlich wettert er noch heimlich gegen den inflationären Gebrauch des Faschismusbegriffs in der radikalen Linken? Was soll überhaupt diese antideutsche "Ihr seid erbärmlich, wir wissen, wie man richtig kritisiert"-Einstellung? Eine (und man kann es wirklich nicht oft genug sagen) heterogene Gruppe in die faschistische Ecke zu stellen, während man sich selber rechtsradikaler Argumentationsmuster bedient, ist schon sehr verachtungswürdig. Wenn der Typ nur Maoisten und Tankies kennengelernt hat, kann ich ja nachvollziehen, wie man in so etwas reinrutscht, aber nervig ist diese Überheblichkeit dennoch. Schade eigentlich, denn die Antideutschen sprechen ein paar wichtige Dinge an, wenn man mal zufällig 'ne Meinung teilt, wird man in bestimmten Kreisen schnell ausgeschlossen.
  3. The Following User Says Thank You to Alet For This Useful Post:


  4. #3
    Join Date Mar 2013
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    Wenn man also die Parole "Gegen Reichtum" taggt, bei der es offensichtlich ist, was damit gemeint ist, ist man also nicht mehr von einem Faschisten zu unterscheiden, soso.
    Es geht dabei nicht um den Spruch, zumindest nicht nur. Der springende Punkt ist die Brandstiftung an "Luxuslimousinen". Eine Tat, deren ideologische Motivation "gegen Reichtum" (alternativ: "gegen die Bonzen") letztendlich auf die Verteufelung von arbeitslosem Einkommen hinausläuft. Zugespitzt formuliert ein Pogrom im Kleinen. Die Kritik am Bestehenden, die von den Tätern beabsichtigt ist, wendet sich als konkreter Angriff gegen die scheinbaren Nutznießer des Systems, anstatt die Verhältnisse an sich. Auch Marx hat übrigens schon im Vorwort des Kapitals gegen solche personalisierenden Arten (ob gewalttätig oder nicht) Stellung bezogen:
    Ein vermeintlicher Nutznießer wird zwangsläufig zum Parasit, der beseitigt werden muss, lebt er doch auf Kosten der arbeitenden Masse. Und wenn jetzt aus der „Masse“ das Volk wird sind wir bereits tief im nationalsozialistischen Ideologiesumpf angekommen. Auch Nazis sind Antikapitalisten. Und zwar genau in diesem personalisierenden Sinne. Strukturell beweget sich z.B. auch die Occupy-Bewegung mit ihrem Slogan von den 99% in dieser Richtung. Was haben die mit dem 1% vor?
    Den Islam als rückständige Kultur zu verteufeln
    In dem Punkt stimme ich dir zu, die Bahamas-Linie beim Thema Islam/-ismus ist reduktionistisch. Wenn Islamismus faschistisch bzw. nationalsozialistisch ist, dann muss eine Kritik daran auch die Kritik der politischen Ökonomie mit einschließen, schließlich gehen Faschismus und NS aus dem Kapitalismus hervor. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in der islamischen Welt, die zur krisengebeutelten kapitalistischen Peripherie gehört, entsteht. Eine reine Ideologiekritik muss hier zwangsläufig versagen.
    bedingungslose Solidarität mit einem Staat, zionistisch hin oder her, zu fordern, ist natürlich wesentlich vorbildlicher.
    Die Solidarität gilt Israel gerade WEIL es der zionistische bzw. jüdische Staat ist. Israel ist die Antwort und einzig logische Konsequenz, die aus dem Holocoaust gezogen werden kann.
    Und wahrscheinlich wettert er noch heimlich gegen den inflationären Gebrauch des Faschismusbegriffs in der radikalen Linken?
    Eher gegen den falschen Gebrauch, der aus einer falschen Faschismusdefiniton folgt. Stichwort: Dimitrow.
    Was soll überhaupt diese antideutsche "Ihr seid erbärmlich, wir wissen, wie man richtig kritisiert"-Einstellung?
    Anecken um jeden Preis. Das ist so ein Bahamas-Ding. Übrigens finden die inzwischen auch Antideutsche doof, Eigendefinition ist „ideologiekritisch und sonst nichts“.
    Schade eigentlich, denn die Antideutschen sprechen ein paar wichtige Dinge an, wenn man mal zufällig 'ne Meinung teilt, wird man in bestimmten Kreisen schnell ausgeschlossen.
    Was meinst du damit?
  5. #4
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    Es geht dabei nicht um den Spruch, zumindest nicht nur. Der springende Punkt ist die Brandstiftung an "Luxuslimousinen". Eine Tat, deren ideologische Motivation "gegen Reichtum" (alternativ: "gegen die Bonzen") letztendlich auf die Verteufelung von arbeitslosem Einkommen hinausläuft. Zugespitzt formuliert ein Pogrom im Kleinen. Die Kritik am Bestehenden, die von den Tätern beabsichtigt ist, wendet sich als konkreter Angriff gegen die scheinbaren Nutznießer des Systems, anstatt die Verhältnisse an sich. Auch Marx hat übrigens schon im Vorwort des Kapitals gegen solche personalisierenden Arten (ob gewalttätig oder nicht) Stellung bezogen:

    Ein vermeintlicher Nutznießer wird zwangsläufig zum Parasit, der beseitigt werden muss, lebt er doch auf Kosten der arbeitenden Masse. Und wenn jetzt aus der „Masse“ das Volk wird sind wir bereits tief im nationalsozialistischen Ideologiesumpf angekommen. Auch Nazis sind Antikapitalisten. Und zwar genau in diesem personalisierenden Sinne. Strukturell beweget sich z.B. auch die Occupy-Bewegung mit ihrem Slogan von den 99% in dieser Richtung. Was haben die mit dem 1% vor?
    Ich finde es ein bisschen sehr polemisch und provokant, dass du von direkten, physischen Angriffen auf die Bourgeoisie, seien es auch nur Teile oder Individuen davon, dazu kommst, letztendlich von "nationalsozialistischem Ideologiesumpf" zu sprechen. Wie du den Weg dahin findest, erschließt sich mir nicht. Marx hat hier ja vollkommen recht damit, dass einzelne Personen das Produkt ihrer Umwelt sind und man sie nicht für Verhältnisse verantwortlich machen kann - aber wir sind hier noch bei der Weltanschauung und nicht bei praktischen Schlussfolgerungen. Tatsache ist nämlich auch, dass kein politischer Kampf, schon gar nicht eine Revolution, ohne Moral und ohne Rituale, wie die Brandstiftung von Luxuslimos oder die Hinrichtung von Kapitalisten, ablaufen wird. Soziale Spannungen und moralisch motivierte Gewalttaten sind nicht trennbar von dem "Angriff gegen [...] die Verhältnisse an sich" und werden unvermeidbar Resultat der materialistischen Kritik sein. Man kann so eine Aktion in einer prärevolutionären Phase als sinnlos und zwecklos bezeichnen, aber die Weltanschauung des Täters zu delegitimieren oder, schlimmer noch, ihn als Faschisten zu bezeichnen, ist ekelhaftes Schwarz-Weiß-Denken.

    Die Solidarität gilt Israel gerade WEIL es der zionistische bzw. jüdische Staat ist. Israel ist die Antwort und einzig logische Konsequenz, die aus dem Holocoaust gezogen werden kann.
    Es ist mir egal, was deine Meinung zu Israel ist. Was hat das denn damit zu tun, ob es eine logische Konsequenz war oder nicht? Der Kapitalismus war auch eine. Der "Sozialismus in einem Land" ebenfalls. Was sagt das denn jetzt aus? Nationale oder religiöse Interessen stehen für Kommunisten nicht über Klasseninteressen. Deshalb sehe ich keinen Grund, weshalb ich mich bedingungslos mit Israel solidarisieren sollte.

    Eher gegen den falschen Gebrauch, der aus einer falschen Faschismusdefiniton folgt. Stichwort: Dimitrow.
    Die Dimitrow-These ist Blödsinn, da stimme ich dir zu. Rechtfertigt leider nicht Linksradikale als Faschisten zu bezeichnen, weil sie einem nicht passen.

    Was meinst du damit?
    Regressiver Antikapitalismus, Antiimperialismus, Antisemitismus etc., Kritik daran ist ja vollkommen berechtigt und kann ich sogar unterstützen - aber nicht mit der Polemik und Perversion, wie sie von Antideutschen kommt.
  6. #5
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    Es ist wahr, dass sich der Klassenkampf nicht nur mündlich formulieren lässt und die unmittelbar nächste Erscheinungsform des Antagonismus zwischen Arbeit und Kapital eben die Beziehung zwischen Arbeiter und Bourgeois ist - die Limo des Chefs ist da ein ganz naheliegendes Ziel. Es gibt keinen Klassenkampf ohne unmittelbaren Konflikt zwischen Arbeitern und Bourgeoisie und das heisst, dass es Klassengewalt geben wird, ob wir das nun gut finden oder nicht.
    Das grosse Aber an der ganzen Sache ist, wie John Lennin schon meinte, dass es sich dabei unter Umständen um kleinbürgerlichen, regressiven Antikapitalismus handeln kann (würde man den Passat des lokalen Bäckers auch anzünden?). Bestes Beispiel ist doch diese elends-liberale EZB-Geschichte und diese Faux-Solidarität mit dem griechischen Volk (und eben nicht mit den griechischen Arbeitern!).
    Ausserdem ist das Beschädigen von Sachen im Moment kein Ausdruck des Klassenkampfes, sondern das Handeln Einzelner ohne jeglicher Verbindung zu irgendeiner organisierten Form der Klasse. Das liegt daran, dass wir momentan nicht von revolutionären Zeiten sprechen können und die Arbeiterklasse nicht klassenbewusst auftritt. Im Gegensatz zu 1917-19 gibt es im Moment keine Organisation, die die Klassengewalt so kanalisieren kann, dass daraus etwas Produktives resultieren kann. Das Abfackeln dieser Autos ist also nichts weiteres als ein Tropfen auf dem heissen Stein, den die Bürgerlichen dann geschickt so ideologisch unformulieren könnten, dass es uns schlussendlich mehr schaden als helfen würde.

    Ausserdem scheitert ihre "Ideologiekritik" beim Islam auf voller Linie. Nicht umsonst wirft man ihnen Idealismus vor, wenn sie unabhängig von irgendwelcher Analyse des Kapitalismus und der daraus resultierenden Vergesellschaftung eine Theorie präsentieren, die teilweise auf stalinistischer Völkerpsychologie basiert. Völliger Schwachsinn also, aber wenn man sich das Zielpublikum des Bahamastheaters genau anschaut (deutsch, männlich, mittelständisch) passt es eigentlich genau. Und dass ein paar von ihnen in K-Gruppen organisiert waren, wundert mich auch nicht. Von der einen edgy Ideologie zur anderen. Naja.

    Mir gefällt aber sein Gehate gegen vegane Dreadlock Antiimps lol. Sonst kann ich mit ihm nichts anfangen.
    Last edited by DOOM; 8th October 2015 at 22:28.
    La dialectique, peut-elle casser des briques?
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