Es ist wahr, dass sich der Klassenkampf nicht nur mündlich formulieren lässt und die unmittelbar nächste Erscheinungsform des Antagonismus zwischen Arbeit und Kapital eben die Beziehung zwischen Arbeiter und Bourgeois ist - die Limo des Chefs ist da ein ganz naheliegendes Ziel. Es gibt keinen Klassenkampf ohne unmittelbaren Konflikt zwischen Arbeitern und Bourgeoisie und das heisst, dass es Klassengewalt geben wird, ob wir das nun gut finden oder nicht.
Das grosse Aber an der ganzen Sache ist, wie John Lennin schon meinte, dass es sich dabei unter Umständen um kleinbürgerlichen, regressiven Antikapitalismus handeln kann (würde man den Passat des lokalen Bäckers auch anzünden?). Bestes Beispiel ist doch diese elends-liberale EZB-Geschichte und diese Faux-Solidarität mit dem griechischen Volk (und eben nicht mit den griechischen Arbeitern!).
Ausserdem ist das Beschädigen von Sachen im Moment kein Ausdruck des Klassenkampfes, sondern das Handeln Einzelner ohne jeglicher Verbindung zu irgendeiner organisierten Form der Klasse. Das liegt daran, dass wir momentan nicht von revolutionären Zeiten sprechen können und die Arbeiterklasse nicht klassenbewusst auftritt. Im Gegensatz zu 1917-19 gibt es im Moment keine Organisation, die die Klassengewalt so kanalisieren kann, dass daraus etwas Produktives resultieren kann. Das Abfackeln dieser Autos ist also nichts weiteres als ein Tropfen auf dem heissen Stein, den die Bürgerlichen dann geschickt so ideologisch unformulieren könnten, dass es uns schlussendlich mehr schaden als helfen würde.
Ausserdem scheitert ihre "Ideologiekritik" beim Islam auf voller Linie. Nicht umsonst wirft man ihnen Idealismus vor, wenn sie unabhängig von irgendwelcher Analyse des Kapitalismus und der daraus resultierenden Vergesellschaftung eine Theorie präsentieren, die teilweise auf stalinistischer Völkerpsychologie basiert. Völliger Schwachsinn also, aber wenn man sich das Zielpublikum des Bahamastheaters genau anschaut (deutsch, männlich, mittelständisch) passt es eigentlich genau. Und dass ein paar von ihnen in K-Gruppen organisiert waren, wundert mich auch nicht. Von der einen edgy Ideologie zur anderen. Naja.
Mir gefällt aber sein Gehate gegen vegane Dreadlock Antiimps lol. Sonst kann ich mit ihm nichts anfangen.
Last edited by DOOM; 8th October 2015 at 22:28.
La dialectique, peut-elle casser des briques?