Thread: Freiheit

Results 1 to 17 of 17

  1. #1
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    Demokratie soll Freiheit bedeuten. Aber: ist das eigentlcih etwas, was man fodern sollte?
  2. #2
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    Originally posted by mig@Oct 7 2003, 09:52 PM
    Demokratie soll Freiheit bedeuten. Aber: ist das eigentlcih etwas, was man fodern sollte?
    Willkommen bei Che-Lives erstmal! Ich versteh dine Frage allerdings nicht ganz. Du solltest vieleicht erstmal deine Vorstellung von Freiheit und Demokratie definieren...
    "The proletariat, when it seizes power [...] should and must at once undertake socialist measures in the most energetic, unyielding and unhesitant fashion, in other words, exercise a dictatorship, but a dictatorship of the CLASS, not of a party or of a clique -- dictatorship of the class, that means in the broadest possible form on the basis of the most active, unlimited participation of the mass of the people, of unlimited democracy." - Rosa Luxemburg

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  3. #3
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    mir würde eine debatte über freiheit schon reichen. demokratie kann man ja anschließend machen. auffällig ist doch in jedem fall, dass demokratien sich im vergleich zu anderen system wegen der in ihnen verwirklichten freiheit loeben. freiheit scheint also ein wert zu sein, den es hoch zu halten gilt. mir geht es nun darum, den inhalt dieser eher abstrakten freiheit zu bestimmen.
  4. #4
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    auffällig ist doch in jedem fall, dass demokratien sich im vergleich zu anderen system wegen der in ihnen verwirklichten freiheit loeben.
    Die 'Freiheit' in den westlichen 'Demokratien' ist ein bourgeoiser Mythos. Tatsächlich ist es so, dass ein freimarktwirtschaftliches System undemokratischer nicht sein könnte. Einzig das Kapital ist frei zu tun und lassen was es will, die Arbeit ist unfrei und zur Lohnarbeit gezwungen. Während wir in der sogenannten 'ersten' Welt die Unfreiheit im Kapitalismus nicht spüren, da wir sozusagen Lakaien des Kapitals selbst, korrumpierte Proletarier sind, unterdrückt das Kapital im Endstadium des Imperialismus die Arbeiterschaft der sogenannten 'dritten' Welt. Dies wird gerade dann ersichtlich, wenn wir uns vor Auge führen, dass im Frühstadium des Kapitalismus, etwa im 19. Jahrhundert, als der Imperialismus noch Zukunftsmusik war, die in den westlichen Staaten arbeitenden Massen unterdrückt waren, Hungerlöhne kassierten, keinen Zugang zu Bildung, keine medizinischen Ressourcen sowie keine politischen Kapazitäten hatten.

    Dem westlichen Kapital ist es im letzten Jahrhundert ausgezeichnet gelungen durch gezieltes Propagieren rethorischer Phrasen und Dogmen die westliche Arbeit für einen Kreuzzug gegen die Arbeiter anderer Länder und Nationen zu gewinnen. Diese Kampagne wird von allen Einrichtungen des bürgerlichen Staates im Sinne dieses Kreuzzuges getragen. Fernsehstationen, Tageszeitungen, Bildungseinrichtungen fallen in diese Kategorie gleichsam wie karrieristische Parlamentaristen, reaktionäre Polizisten oder theoristische Linksliberalisten (Grüne, Sozialdemokraten ...). Ziel ist es, die westliche Arbeit auf Begriffe wie 'Patriotismus', 'Vaterlandsliebe', 'Kulturgemeinschaft', 'Kampf gegen Terrorismus', 'Kampf gegen Diktatur' oder, und das ist ein Spross der jüngsten Zeit, 'Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen', einzuschwören.

    Das Zeitalter des Imperialismus hat somit die Klassengegensätze lediglich verschoben, von 'Freiheit' und 'Demokraite' zu sprechen wäre jedoch pietätlos.
  5. #5
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    "Während wir in der sogenannten 'ersten' Welt die Unfreiheit im Kapitalismus nicht spüren, da wir sozusagen Lakaien des Kapitals selbst, korrumpierte Proletarier sind, unterdrückt das Kapital im Endstadium des Imperialismus die Arbeiterschaft der sogenannten 'dritten' Welt. "

    Einspruch. Es ist eine falsche Kritik am Kapitalismus zu meinen, die Ausbeutung findet in den Metropolen nicht statt, sondern hat sich in die Dritte Welt verlagert. Ausbeutung heisst die Aneignung der Ergebnisse fremder Arbeit. Es ist kein morlaischer Begriff. Wenn es stimmen würde, was Du behauptest, hätte der Arbeiter hierzulande wirklich keinen Grund für irgendeinen Einwand mehr. Nur: Die Interessensgegensätze zwischen Unternehmen und Lohnempfänger sind auch und gerade in den Metriopolen weiter in Kraft. Die Folgen kann man u.a. an der derzeitigen Sozialstaatsdebatte besichtigen.

    Andersherum: Die Metropolen sind nur deswegen so erfolgreich, WEIL die Ausbeutung dort besser funktioniert als in der Dritten Welt. Dort klappt die Verwertung des Kapitals nicht, dafür werden ganze Staaten und Völker in Haftung genommen.


    "Dem westlichen Kapital ist es im letzten Jahrhundert ausgezeichnet gelungen durch gezieltes Propagieren rethorischer Phrasen und Dogmen die westliche Arbeit für einen Kreuzzug gegen die Arbeiter anderer Länder und Nationen zu gewinnen. Diese Kampagne wird von allen Einrichtungen des bürgerlichen Staates im Sinne dieses Kreuzzuges getragen. Fernsehstationen, Tageszeitungen, Bildungseinrichtungen fallen in diese Kategorie gleichsam wie karrieristische Parlamentaristen, reaktionäre Polizisten oder theoristische Linksliberalisten (Grüne, Sozialdemokraten ...)."

    Quatsch. Ziel des Imperialismus ist die Benutzung fremder Ressourcen und die Aneignung auswärtigen Reichtums. DAS betreibt er. Arbeiter anderer Länder sind ihm völlig wurscht, es sei denn, er braucht sie für seine Verwertungsinteressen.


    "Das Zeitalter des Imperialismus hat somit die Klassengegensätze lediglich verschoben, von 'Freiheit' und 'Demokraite' zu sprechen wäre jedoch pietätlos."

    Nein, die existieren unverändert weiter.

    Aber zum eigentlichen Thema noch mal:

    Der Lohnarbeiter ist im Kapitalismus frei in doppelter Hinsicht. Er ist frei von Eigentum, hat also keine andere Wahl, als sich in den Dienst des Kapitals zu stellen. Und er ist frei als Rechtsperson. Er darf sich also auch anbieten. Für das Kapital ist das ein sehr produktives Verhältnis, weil der Arbeiter dadurch quasi ein Eigentinteresse hat, vom Kapital benutzt zu werden. Der Zwang und die ökonomische Erpressung, denen er ausgesetzt ist, kommen nicht als physischer Zwang wie in der Sklavenhaltergesellschaft daher, sondern in Form eines Sachzwangs, gleichsam als Angebot an seinen Materialismus. Er will sich benutzbar machen und bildet sich auch noch ein Interesse an der Benutzung ein.


    Demokratie ist das übrigens sehr wohl. Die ist nämlich nur eine Herrschaaftsmethode, die sehr schön zum Kapitalismus passt. Das ist aber ein anderes Thema. Der Einwand, die Demokratie sei gar keine, ist allerdings falsch. Sie ist eine, und das ist das Problem
  6. #6
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  7. #7
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    Ich denke, es ist wichtig zwischen bürgerlicher und sozialistischer Demokratie bzw. Freihet zu unterscheiden. In der bürgerlichen Demokratie gibt es Freiheiten, die mit der sozialischen Demokratie nicht vereinbar sind, in erster Linie natürlich die Freihet andere Menschen durch Loharbeit auszubeuten. In der "ersten Welt" ist diese Ausbeutung bei den hohen Löhnen für die Meisten nur abstrakt, denn sie besteht ja in dem Teil den sie arbeiten um ihren Arbeitgeber zu bereichern, bei anständiger Bezahlung, guten Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen, ist das den meisten natürlich völlig egal. Allderdings scheint die Ausbeutung auch in der ersten Welt dank Globaliesierung wieder unmittelbarer zu werden.
    In der sozialistischen Demokratie ist Loharbeit im Idealfall ganz abgeschafft, und es findet keine Ausbeutung mehr statt, niemand braucht sich mehr zu sorgen wie er sich ein anständiges Leben in Würde ermöglichen kann. Dies ist wahre Freihet.
    Allderdings würde ich sozialistische und bürgerliche Demokratie nicht als diametral entgegengesetzte Dinge sehen, sondern wie es Rosa Luxemburg einmal ausgedrückt hat "in der sozialistischen Demokratie ist die leere Hülle der bürgelichen Demokratie mit Leben zu füllen".
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  8. #8
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    Einspruch. Es ist eine falsche Kritik am Kapitalismus zu meinen, die Ausbeutung findet in den Metropolen nicht statt, sondern hat sich in die Dritte Welt verlagert.
    Natürlich findet sie auch in den &#39;Metropolen&#39; statt, jedoch nicht in einem solch&#39; radikalen Ausmaß. Die vom Kapital korrumpierte Arbeiterschaft hat meist genügend Ressourcen um sich selbst gut und ausreichend zu versorgen, zumindest ein gewisses Maß an Bildung zu erlangen (natürlich nicht den höchsten Grad an Bildung) und Arzneimittel sowie Arztbesuche zu finanzieren.

    Sogesehen hast Du hier selbstverständlich recht, jedoch wollte ich auf etwas Anderes hinaus, nämlich darauf, dass es dem ausgebeuteten Arbeiter in Indonesien unvergleichlich schlechter geht als dem Deutschen.

    Ausbeutung heisst die Aneignung der Ergebnisse fremder Arbeit. Es ist kein morlaischer Begriff. Wenn es stimmen würde, was Du behauptest, hätte der Arbeiter hierzulande wirklich keinen Grund für irgendeinen Einwand mehr.
    Wie bereits oben gesagt, wollte ich lediglich darauf hinaus, dass es dem Arbeiter der &#39;ersten&#39; Welt besser geht als dem der &#39;dritten.&#39; Dies ist eine Taktik des Kapitals, dem ihm unmittelbar unterstellten Arbeiter Almosen auszuhändigen, um ihn einerseits von der Rebellion abzuhalten, ihn andererseits für imperialistische Kriege gegen aufständische Befreiungsbewegungen unterdrükter Länder zu instrumentalisieren. Die klassenbedingten &#39;Probleme&#39; des aristokratisierten Arbeiters sind freilich präsent und äußerst rührend, stehen jedoch in keiner Relation zu denen des stärker ausgebeuteten Arbeiters der &#39;dritten&#39; Welt.

    Nur: Die Interessensgegensätze zwischen Unternehmen und Lohnempfänger sind auch und gerade in den Metriopolen weiter in Kraft.
    Daran zweifelt keiner. Jedoch sind die Almosen, die der aristokratisierte Arbeiter bekommt, ungleich höher als die des nicht aristokratisierten.

    Andersherum: Die Metropolen sind nur deswegen so erfolgreich, WEIL die Ausbeutung dort besser funktioniert als in der Dritten Welt. Dort klappt die Verwertung des Kapitals nicht, dafür werden ganze Staaten und Völker in Haftung genommen.
    Die globalen Monopole beschränken sich in ihrer Ausbeutung nicht auf die unmittelbar in der &#39;ersten&#39; Welt ansässigen Arbeiter. Vielmehr suchen sie billigere Lohnarbeiter, die beispielsweise nicht in Gewerkschaften organisiert sind. Diese &#39;anspruchslosen&#39; Arbeiter findet das Kapital in Billiglohnländern. Die &#39;Metropolen&#39; sind folglich nicht deshalb &#39;erfolgreich&#39;, &#39;WEIL die Ausbeutung dort besser funktioniert als in der Dritten Welt&#39;, sondern weil sie neben der Ausbeutung des aristokratisierten Arbeiters auch die viel ertragreichere des nicht aristokratisierten Arbeiters der &#39;dritten&#39; Welt betreiben. Die Ausbeutung funktioniert folgerichtig nur in Ländern der &#39;dritten&#39; Welt &#39;richtig.&#39;

    Quatsch. Ziel des Imperialismus ist die Benutzung fremder Ressourcen und die Aneignung auswärtigen Reichtums. DAS betreibt er. Arbeiter anderer Länder sind ihm völlig wurscht, es sei denn, er braucht sie für seine Verwertungsinteressen.
    Der Begriff &#39;fremde Ressourcen&#39; schließt sehr wohl den nicht aristokratisierten Arbeiter mit ein. Dasselbe gilt für den Begriff &#39;auswärtiger Reichtum.&#39; Denn, und jetzt zitiere ich Dich, mein Freund: &#39;Ausbeutung heisst die Aneignung der Ergebnisse fremder Arbeit.&#39; Die &#39;fremde Arbeit&#39; ist folgerichtig Teil auswärtigen Reichtums sowie &#39;fremder Ressourcen.&#39; Ich denke aber nicht, dass wir hier eine Meiungsverschiedenheit haben, lediglich ein Missverständnis. Denn mit &#39;Kreuzzug&#39; meinte ich imperialistische Kriege, die die Ausbeutung des Arbeiters anderer Länder durch das in der &#39;ersten&#39; Welt monopolisierte Kapital erst ermöglichen. Diese Kriege werden sehr wohl von allen Organen des bürgerlichen Staates getragen, wie bereits oben länger ausgeführ. Die Rolle des aristokratisierten Arbeiters in dieser Gleichung ist ebenfalls klar, für jeden zu sehen. Er erweitert die Kapazitäten des monopolisierten Kapitals, indem er sich an imperialistischen Kriegen beteiligt. Als Lohn bekommt er Almosen von ebendiesem Kapital, das nun andere &#39;radikal&#39; und &#39;vollständig&#39; ausbeutet.

    Nein, die existieren unverändert weiter.
    Ich habe gesagt, dass sich die Klassengegensätze nur verschoben haben, jedoch weiter existieren. Mit &#39;verschoben&#39; meine ich selbstverständlich nicht, dass sie innerhalb Ländern der &#39;ersten&#39; Welt nicht mehr existieren. Doch das versteht sich von selbst.

    Der Lohnarbeiter ist im Kapitalismus frei in doppelter Hinsicht. Er ist frei von Eigentum, hat also keine andere Wahl, als sich in den Dienst des Kapitals zu stellen. Und er ist frei als Rechtsperson. Er darf sich also auch anbieten. Für das Kapital ist das ein sehr produktives Verhältnis, weil der Arbeiter dadurch quasi ein Eigentinteresse hat, vom Kapital benutzt zu werden. Der Zwang und die ökonomische Erpressung, denen er ausgesetzt ist, kommen nicht als physischer Zwang wie in der Sklavenhaltergesellschaft daher, sondern in Form eines Sachzwangs, gleichsam als Angebot an seinen Materialismus. Er will sich benutzbar machen und bildet sich auch noch ein Interesse an der Benutzung ein.
    Das Wort &#39;frei&#39; in jeglichem Zusammenhang, auch in sachlich richtigem, mit dem Proletariat im Kapitalismus in Verbindung zu bringen, ist bourgeoiser Humor, den ich unkreativ und geschmacklos finde. Der Rest ist Grundmarxismus, nichts Besonderes.

    Demokratie ist das übrigens sehr wohl. Die ist nämlich nur eine Herrschaaftsmethode, die sehr schön zum Kapitalismus passt. Das ist aber ein anderes Thema. Der Einwand, die Demokratie sei gar keine, ist allerdings falsch. Sie ist eine, und das ist das Problem
    Dies is, wie vorhergegangenes, eine Frage der Ausdrucksweise. Es ist, nach bürgerlich - reaktionärem Empfinden, natürlich &#39;Demokratie&#39;, jedoch nicht nach progressiver Definition. Demokratie kann nur in einem klassenlosen Gesellschaftssystem verwirklicht sein, da die &#39;Demokratie&#39; eines Klassensystems immer Ausdruck des Klasseninteresses der herrschenden Klasse ist. Die bürgerliche Demokratie geht genau so weit, dass das Klassensystem als solches nicht angefochten wird. Wenn dies jedoch von einer Partei propagiert wird, mutiert der brav - parlamentaristische Bourgois urplötzlich und unvermutet zu einem blutrünstigen Monstrum, das sein noch vorhandenes Potential als Bourgois entfaltet indem er militärisch gegen die progressive Klasse vorgeht. Dies ist, was unter anderem aus Lenins Imperialismusanalyse hervorgeht, in den Ländern der &#39;ersten&#39; Welt nicht der Fall, da der aristokratisierte Arbeiter genug zu haben scheint und deswegen halbunterdrückt seinem materiellen Leben frönt. In unterdrückten Nationen hingegen kommt es unentwegt zu Ansätzen, das Klassensystem als solches umzuwälzen, auch auf parlamentarischem Wege. Jedoch greift der Bourgois sowie das ausländische Kapital selbstverständlich genau hier ein, indem er als politische Subversion die progressive Linke denunziert beziehungsweise militärisch gegen sie vorgeht.
  9. #9
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    hier wird ja im wesentlich ein argument vertreten: der arbeiter in den entwickelten kapitalistischen metropolen ist irgendwie besprochen, deswegen aristrokratisch. und es geht im besser als dem in der dritten welt. deswegen findet nur dort so was wie ausbeutung wirklich statt.

    das ist mit verlaub blödsinn. wenn wir uns einig sind in der definition von ausbeutung, also der aneignung von fremder arbeit, dann kommt sicher nicht raus, dass es die nur oder nur richtig in der dritten welt gibt. wenn man allerdings meint, ausbeutung ist ein moralischer begriff - und das lässt die bezeichnun aristrokratisch vermuten - dann kann man in der tat auf solche gedanken kommen.

    ich bestreite nicht, dass es dem arbeiter in den metropolen besser geht als in der dritten welt. nur: was folgt daraus? erstens geht es den leuten in der dritten welt mies, weil die ausbeutung NICHT stattfindet. das soll nicht zynisch sein. in einer welt, in der kapitalinteressen überall durchgesetzt sind, führt die nicht-benutzung tatsächlich zur kompletter verelendung. in der dritter welt hat das kapital keien verwertungsinteressen, weil es da nichts zu verwerten gibt. die dritte welt ist kein attraktiver markt, da wird wenig bis nichts produziert. folglich findet die lohnende ausbeutung der leute nicht statt. was es gibt ist allenfalls abtransport der rohstoffe.

    ausbeutung findet dort statt wo lohnarbeit statfindet und sie findet dort um so mehr statt wo lohnarbeit erfolgreich ausgebeutet wird. in den metropolen eben. weil die ausbeutung dort klappt und weil die lohnarbeit effizient stattfindet, ist das kapital dort erfolgreich.

    und nun zur frage, warum der arbeiter in den metropolen mehr lohn bekommt als sein kollege in der dritten welt. ein argument hatte ich schon gesagt. wenn die ausbeutung nicht recht funktioniert, kapital sich also nicht recht verwerten kann, werden dafür natürlcih die arbeiter über ihren lohn in haftung genommen. wer auch sonst.

    mit bestechung hat der höhere lohn in den metropolen dennoch nichts zu tun. den risiken des lohnarbeiterdaseins, also fragen wie reicht der lohn zum leben, wohnen usw, oder wann wird man arbeitslos und was ist wenn man längere zeit krank ist oder was ist wenn man eine familie gründet oder was ist wenn man alt wird etc pp - diesen risiken, die alle in der unterordnung unter die kapitalinteresse angelegt sind, ist der arbeiter in den metropolen sehr wohl ausgesetzt. und die bezeichnung aristrokratischer arbeiter ist ein schlechter witz. soll das heissen er ist reich? priviligiert? gegenüber wem? seinem unternehmer? wohl kaum. die einteilung lebt von dem rausgesuchten vergleich mit noch ärmeren. entweder vor 100 jahren oder in der dritten welt. man findet immer vergleiche, die einen gut darstehen lassen. nur: mit einem vergleich mit den eigenen interessen hat das nichts zu tun. auch nicht mit einem vergleich des anteils der arbeiterschaft am gesellschaftlich produzierten reichtum. der sinkt nämlich seit 100 trotz höherem lebensstandard. und mal ehrlich: meint hier irgendjemand, es ist ein argument für diesen laden, wenn die leute nicht verhungern oder nicht wie vor 100 mit der pferdekutsche zur arbeit kommen?

    es gibt sogar objektive gründe auf kapitalseite, weshalb ein gewisser lebensstandard in den metropolen nötig ist. ein auto braucht man heute schon deswegen, weil man "flexibel" sein muss, also allen interessen des kapitals nach arbeitszeit und ort entsprechen muss. das ganze ist eine notwendigkeit für die reproduktion des arbeiters. genauso wie eine wohnung etc. pp. andernfalls ist eine benutzung auf dem niveau, wei sie hier stattfindet, nicht möglich. mit wohltaten und bestechung hat das aber - ich sagte es - nichts zu tun.

    und noch kurz zu demokratie: mein argument war eben nicht, es gibt eine gute und schlechte demokratie. demokratie an sich ist eine herrschaftsform, bei dem der wähler das personal der herrschaft bestellt. die staatsräson steht wie gesagt nicht zur wahl. das ist notwendigerweise so. herrschaft ist aber nur dann nötig, wenn es gegensätze zwischen beherrschten und herrschern gibt, die es gilt, gewaltsam zu regeln. deswegen fällt die notwendigkeit zur herrschaft auch mit diesen gegensätzen weg. eine sozialistische demokratie wäre also ein blödsinn
  10. #10
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    hier wird ja im wesentlich ein argument vertreten: der arbeiter in den entwickelten kapitalistischen metropolen ist irgendwie besprochen, deswegen aristrokratisch. und es geht im besser als dem in der dritten welt. deswegen findet nur dort so was wie ausbeutung wirklich statt.
    Ich vermute Du meintest &#39;bestochen.&#39; Wie auch immer, das ist nicht was &#39;hier&#39; vertreten wird, sondern was der wissenschaftliche Marxismus - Leninismus vertritt.

    Ich schlage vor Du liest z.B. dieses ...

    Ich möchte nicht auf jedes Deiner Worte eingehen, da sie zum Teil, wie auch der Artikel Lenins bestätigt, grundfalsch sind.

    Deine &#39;Verwertungsinteressen&#39; - Theorie beispielsweise.

    in der dritter welt hat das kapital keien verwertungsinteressen, weil es da nichts zu verwerten gibt. die dritte welt ist kein attraktiver markt, da wird wenig bis nichts produziert.
    Die &#39;dritte&#39; Welt an sich ist selbstverständlich kein attraktiver Markt, da sich das Kapital in der &#39;ersten&#39; Welt monopolisiert hat. Folglich besitzt die &#39;dritte&#39; Welt eine äußerst klägliche Kaufkraft, was sie zu, wie Du richtig feststellst, keinem attraktiven Markt macht. Falsch liegst Du allerdings, wenn Du behauptest es würde &#39;wenig&#39; bis &#39;nichts&#39; in Ländern der &#39;dritten&#39; Welt produziert werden. Ich weise Dich darauf hin, dass jede einzelne großkapitalistische Firma in der &#39;dritten&#39; Welt produzieren lässt. Seien es Schuhe, Kleidungsstücke oder Lebensmittel [...]. Dies, weil, wie ich bereits erwähnt habe, die Arbeiter der &#39;dritten&#39; Welt oft unorganisiert sind, Gewerkschaften von Seiten des Staates (der im übrigen aus Lakaien des westlichen Kapitals besteht) unterdrückt werden und somit alle Voraussetzungen für die &#39;vollständige&#39; Ausbeutung gegeben sind.

    und noch kurz zu demokratie: mein argument war eben nicht, es gibt eine gute und schlechte demokratie. demokratie an sich ist eine herrschaftsform, bei dem der wähler das personal der herrschaft bestellt. die staatsräson steht wie gesagt nicht zur wahl. das ist notwendigerweise so. herrschaft ist aber nur dann nötig, wenn es gegensätze zwischen beherrschten und herrschern gibt, die es gilt, gewaltsam zu regeln. deswegen fällt die notwendigkeit zur herrschaft auch mit diesen gegensätzen weg. eine sozialistische demokratie wäre also ein blödsinn
    Das ist alles für unsere Debatte nicht wirklich relevant. Relevant ist, dass derjenige, der vom Volk, wie Du richtig festgestellt hast, &#39;bestellt&#39; wird, repräsentativ für das Volk des Volkes Interessen vertreten sollte. Dies&#39; ist aber in der bürgerlichen Demokratie nicht der Fall, aus mehreren Gründen. Zum einen hat der Proletarier nicht die Bildung, sich mit politischen Fragen gewissenhaft zu beschäftigen. Er hat diese nicht, weil es nicht im Klasseninteresse des Bourgeois liegt, sie ihm zu geben. Denn dann könnte er seinen tatsächlichen Interessen Folge leisten. Ohne Bildung jedoch, unterliegt er in seiner Existenz schon dem propagandistischen Vorgehen des Bourgeois. Zum anderen gibt ihm der Bourgois Almosen, die ihn seine Interessen vergessen lassen. Dies trifft vor allem auf Länder der &#39;ersten&#39; Welt zu.

    Was unterdrückte Nationen betrifft, so ist die Demokratie nicht einmal im Schein vorhanden. Ansätze, die Diktatur des Kapitals durch jene des Proletariats zu ersetzen, werden vom Bourgeois, beziehungsweise vom ausländischen Kapital, niedergeschlagen. Deswegen, weil eine progressiv - kommunistische Regierung die Ausbeutung des unterdrückten Landes unterbinden würde. Beispiele gibt es unzählige. Sei es Kuba unter Batista, Guatemala nach dem Militärputsch gegen Jacobo Arbenz, der Militärputsch gegen Allende etc.

    Auffällig ist natürlich, dass bei so gut wie allen diesen historischen Ereignissen westlich - imperialistische Geheimdienste eine Rolle spielten, oft sogar die Armeen des Westens. Die Central Intelligence Agency beispielsweise, kann wahrscheinlich für so gut wie alle reaktionären Interventionen in Latein- und Südamerika zur Verantwortung gezogen werden. Diese Tatsache alleine widerlegt Deine Theorie. Denn wenn die westliche Bourgeoisie kein Interesse an Ländern der &#39;dritten&#39; Welt hätte, wären diese Interventionen nicht nötig.

    Was den Begriff &#39;Herrschaft&#39; in einer klassenlosen Gesellschaft anbelangt, so hast Du recht. &#39;Herrschaft&#39; wäre nicht nötig, oder nur in einer ganz anderen Form. Unmittelbar nach einer Revolution ist jedoch eine autoritäre Herrschaft des Proletariats notwendig, da der Bourgeois zwar nicht mehr an der Macht ist, jedoch noch existiert und mit ihm sein reaktionäres Klasseninteresse.
  11. #11
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    ich kenne lenins imperialismus-texte sehr wohl, halte sie aber nicht für sehr gelungen.

    allerdings ist es eine merkwürdige methode zu behaupten, meine einschätzung sei falsch, dafür aber kein einziges argument mit ausnahme des verweises auf lenin zu liefern. ein wenig mehr inhalt hätte ich mir schon gewünscht.

    einen fehler muss ich einräumen: produktion in der dritten welt findet wie von dir dargestellt statt. meine anmerkugn war anders gemeint, nur falsch hingeschrieben. die produktion, die stattfindet, findet für auswärtigen kapital statt, dass die ressourcen dort als billige arbeitskräfte gebraucht. es findet also keine akkumulation von kapital in der dritten welt statt, sondern die dritte welt wird für die auswärtige akkumulation benutzt.

    um das thema nicht ausufern zu lassen, sollten wir demokratie vielleicht anschließend klären..
  12. #12
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    produktion in der dritten welt findet wie von dir dargestellt statt. meine anmerkugn war anders gemeint, nur falsch hingeschrieben. die produktion, die stattfindet, findet für auswärtigen kapital statt, dass die ressourcen dort als billige arbeitskräfte gebraucht. es findet also keine akkumulation von kapital in der dritten welt statt, sondern die dritte welt wird für die auswärtige akkumulation benutzt.
    Das ist genau, was Lenin wissenschaftlich in seiner Imperialismusanalyse festgehalten hat und, nebenbei, das, was ich Dir vorhergehend vermitteln wollte.

    ich kenne lenins imperialismus-texte sehr wohl, halte sie aber nicht für sehr gelungen.
    Offensichtlich hältst Du sie für &#39;sehr gelungen&#39;, warum würdest Du sie sonst vertreten?
  13. #13
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    na ja, erst schreibst du, alles, was ich geschrieben habe, ist grundfalsch. dann war es plötzlich nur ein punkt? kann nicht sein, oder? also: lass uns doch über die restlichen punkte auch reden
  14. #14
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    Jede Aussage, die man zu einem politisch - ökonomischen Thema zu treffen versucht, geht von einem Denkschema aus, das vorzugsweise auf einer wissenschaftlichen Analyse aufbauen sollte.

    Zuerst hast Du die reaktionäre Ansicht eines sozialchauvinistischen Kautskyaners vertreten. Du hast Lenins wissenschaftliche Imperialismus - Analyse, damit das eigentliche Gesicht des Imperialismus selbst, verleugnet und somit impliziert, dass der Westen nur bedingten, beziehungsweise gar keinen Einfluss auf die Volkswirtschaften der &#39;dritten&#39; Welt hat.

    Für mich überaschend kam dann Deine Korrektur, in der Du Dein Denkschema grundlegend geändert hast. Du hast zugegeben, dass die Ausbeutung des &#39;dritte&#39; Welt Arbeiters durch das westliche Großkapital entscheidend fataler ist als die des westlichen Arbeiters. Damit hast Du Deine vorhergegangenen kautskyanischen Worte insofern als falsch und nicht wissenschaftlich entlarvt, als dass Du das Denkschema Lenins unwissentlich gänzlich angenommen hast. Punkt. Verfolgst Du Dein Zitat ...

    produktion in der dritten welt findet wie von dir dargestellt statt. meine anmerkugn war anders gemeint, nur falsch hingeschrieben. die produktion, die stattfindet, findet für auswärtigen kapital statt, dass die ressourcen dort als billige arbeitskräfte gebraucht. es findet also keine akkumulation von kapital in der dritten welt statt, sondern die dritte welt wird für die auswärtige akkumulation benutzt.
    ... konsequent und logisch in weitere Instanzen weiter, wirst Du genau, was den Imperialismus betrifft, die Ansichten des wissenschaftlichen Marxismus - Leninismus vertreten.
  15. #15
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    jemandem Kautskyanertum vorzuwerfen ist kein inhaltliches Argument. Ich hätte mich gefreut, wenn Du mir sagen würdest, was falsch sein soll
  16. #16
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    Der höchst erfreuliche Punkt ist, dass Du Dir selber gesagt hast, was in Deinen frühen Wortmeldungen nicht den Tatsachen entsprechend war. Es gibt für mich demnach keinen Grund Dir etwas &#39;vorzuwerfen.&#39; Ich versuche Dir nur bewusst zu machen, dass Deine Korrektur alle Deine vorherigen Argumente in letzter Instanz widerlegt.
  17. #17
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    ich muss dich enttäuschen. die änderung nimmt nichts vom rest zurück. aber ich habe das gefühl, du willst gar nicht darauf eingehen

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